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TIERE BEOBACHTEN IN DER DEKKAN-GRASLANDSCHAFT INDIENS

Entdeckungen in der Monsunzeit

Lesezeit: 4 min.

Ich verließ Mumbai früh am Morgen. Die dreistündige Zugfahrt durch den Norden der Westghats war eine der schönsten Reisen, die ich je erleben durfte. Dekkan war mein Ziel. Das Hochland von Dekkan in Zentralindien ist eine der größten und ältesten Landschaften der Welt, die den größten Teil der Halbinsel Indiens ausmacht.

Landscape Indian Deccan Grasslands

Der Zug kam in Pune an. Dort traf ich meinen Freund, den Naturforscher Vedant Thite. Wir machten uns gleich auf den Weg in die Natur. Ich war das erste Mal im Dekkan und ich hatte keine Ahnung, was ich erwarten sollte. Ich freute mich auf das Abenteuer.

Dhangar portrait

DAS ABENTEUER BEGINNT …

#SEETHEUNSEEN


Zuerst sah ich nur die üblichen großen Restaurants und Geschäfte entlang Indiens Highways. Doch nach und nach wichen diese den hügeligen Graslandschaften, die von den Monsunschauern Anfang dieses Monats in üppiges Grün getaucht wurden. Ich erblickte große Schafherden. Gehütet wurden sie von einheimischen Jagdhunden und Dhangar-Hirten, einem nomadischen Hirtenvolk.

Tawny (Syke’s) Larks (Galerida deva)Rain Quail (Coturnix coromandelica) calling

Überall im Flachland tummelten sich Madraswachteln (Perdicula argoondah), Gelblappenkiebitze (Vanellus malabaricus) und Koromandelrennvögel (Cursorius coromandelicus). Zwischen den Felsen versteckte sich ein kleiner Schwarm Wüstenammern (Emberiza striolata) – ein Vogel, der dem Silberkopfammer (Emberiza stewarti)verblüffend ähnlich sieht. Wir hatten das Glück, all diese Vögel zu bewundern, bevor sie sich in alle Himmelsrichtungen davonmachten aus Angst vor natürlichen Feinden, die sich näherten. Zwei Habichtsadler (Aquila fasciata) ließen sich von einem nahegelegenen Hügel herab. Nun kreisten sie über uns auf der Suche nach einem morgendlichen Festmahl.

Auf einer Straße fuhren wir an einem alten Bewässerungskanal entlang. Die Nähe zum Wasser und den Klippen mit überhängenden Bäumen bot einen idealen Platz für einen großen Schwarm nistender Bajaweber (Ploceus philippinus) . Wir sahen gelbe Bündel, die damit beschäftigt waren, ihre kunstvollen Nester zu bauen. Wir fuhren weiter und erblickten einen Bengalenuhu (Bubo bengalensis) , der uns von der Kanalwand mit einem durchdringenden Blick anstarrte.

DIE ERSTEN VÖGEL IN DER GRASLANDSCHAFT

Wir verließen den Highway und vor uns lag eine hügelige Landschaft: Acker, Felsen und natürlich Grasland, so weit das Auge reichte. Wir hörten den Ruf der Devalerchen (Galerida deva) , die sich auf Zweigen und Ästen in der Nähe niedergelassen hatten. Als wir uns ihnen näherten, sahen wir nur, wie ein großer orangefarbener Schwarm gen Himmel aufstieg. Wir hörten auch die unaufhörlichen Rufe der Regenwachtel (Coturnix coromandelica) , insbesondere in der Nähe der Felder. Wir konnten sogar ein Tier dabei beobachten, wie es sein Haupt in die Höhe streckte und die typische aufwärtsgerichtete Haltung einnahm, um einen Partner mit seinem Gesang anzulocken.

!!!Striolated Buntings (Emberiza striolata) calling
!!!Bonelli's Eagles (Aquila fasciata)
!!!Baya Weavers (Ploceus philippinus) Display
Fotografie: Striolated Buntings (Emberiza striolata), Bonelli's Eagles (Aquila fasciata), Baya Weavers (Ploceus philippinus) Display

Auf einer Straße fuhren wir an einem alten Bewässerungskanal entlang. Die Nähe zum Wasser und den Klippen mit überhängenden Bäumen bot einen idealen Platz für einen großen Schwarm nistender Bajaweber (Ploceus philippinus) . Wir sahen gelbe Bündel, die damit beschäftigt waren, ihre kunstvollen Nester zu bauen. Wir fuhren weiter und erblickten einen Bengalenuhu (Bubo bengalensis) , der uns von der Kanalwand mit einem durchdringenden Blick anstarrte.

Bengalenuhu (Bubo bengalensis)
Indian Eagle Owl (Bubo bengalensis)

EIN RUDEL WÖLFE IM BLICK

Wir gingen weiter in die Graslandschaft hinein und erspähten unsere ersten Säugetiere. Vedant hatte in diesem Gebiet ein Rudel mit zwölf Wölfen aufgespürt. Es ist alles andere als üblich, ein Rudel anzutreffen. Denn meist sieht man nur vereinzelte Tiere oder Paare. Was uns wirklich überraschte, war, dass sie den Tag damit verbrachten, Schutz in den Zuckerrohrfeldern zu suchen, die den Landstrich hier dominierten.

Wir parkten am Rand einer Lichtung und suchten die Umgebung mit unseren Ferngläsern ab. Es dauerte nur wenige Sekunden bis wir zwei halbwüchsige Wölfe sahen. Ihre schmalere Statur und unreifen Gesichtszüge deuteten zumindest darauf hin. Sie schienen sich über Wachteln herzumachen. Sie waren ziemlich aktiv, und das mitten am Tag und in einer von Menschen dominierten Umgebung. Langsam bemerkten wir weitere Wölfe, die aus dem Zuckerrohr heraussprangen und uns scheinbar neugierig ansahen. Einige von ihnen näherten sich uns sogar und machten es sich beim Auto gemütlich.

Indian Wolf Indian Wolf SharpenAI Softness
Indian Wolfs

Das Alpha-Weibchen tauchte kurz darauf auf und alle Jungen rannten zu ihr. Sie stupsten sich gegenseitig mit ihren Schnauzen an, leckten das Fell und schmiegten sich aneinander an. Und genauso schnell, wie die Wölfe auftauchten, so schnell führte die Wölfin ihr Rudel zurück in das hohe Zuckerrohr. Einfach unglaublich.

Wir waren seit dem Morgen unterwegs. Zur Mittagszeit machten wir eine kurze Pause und ließen uns ein traditionelles Gericht aus dem nördlichen Dekkan schmecken, bevor wir unsere Erkundungstour im Grasland fortsetzten.

White-bellied Minivet (Pericrocotus erythropygius)Yellow-eyed Babbler (Chrysomma sinense)

AUF DER SUCHE NACH EINER STREIFENHYÄNE

Vedant hatte für uns ein Treffen mit einem ortsansässigen Hirten und leidenschaftlichen Wildtier-Tracker organisiert, der eine Höhle der Streifenhyäne aufgespürt hatte. Im Gegensatz zur afrikanischen Tüpfelhyäne sind diese Tiere einzelgängerische Aasfresser, die ein geheimnisvolles Leben bei Nacht führen. Wer eine Streifenhyäne am Tag antreffen möchte, braucht ausgezeichnete Ortskenntnisse und muss wissen, wo sich die Höhlen befinden und wo genau die Tiere auf Streifzug gehen.

Wir folgten unserem Guide zu Fuß auf die Spitze eines felsigen Hügels. Dschungelprinien und Weißbauch-Mennigvögel tauchten überall um uns herum aus Büschen auf und riefen laut, unbeirrt von den kalten Monsunwinden. Auf dem Spaziergang erzählte unser Guide uns Geschichten von Leoparden, Wölfen, Hyänen und Wildschweinen, denen er bei seinen täglichen Ausflügen begegnet war. Wer hätte gedacht, dass es in dieser baumlosen, flachen Landschaft Raubkatzen gab? Sind sie nur auf der „Durchreise“ oder ist dies die Folge der schnellen Aufforstung und des Zuckerrohranbaus? Oder haben sich die Tiere nur an diese neue Umgebung angepasst? Grübelnd erreichten wir den Gipfel.

Unser Guide bat uns, Platz zu nehmen. Wir blickten auf das offene Tal hinab und die Sonne ging allmählich hinter uns unter. Zwei Stunden lang suchten wir die Landschaft ab mit unserem NL Pure Fernglas. In der Dämmerung beobachteten wir jedes Detail.

Plötzlich regte sich etwas unter uns und unser Guide zeigte auf einen Felsvorsprung. Ein großer Kopf blickte uns direkt an. Es war eine junge Streifenhyäne, ein Männchen, um genau zu sein, das lässig hin- und herlief, schnüffelte und alle paar Sekunden zu uns herüberschaute. Das Tier durchstreifte die gesamte Landschaft, mal langsamer, mal schneller. Als ihm wilde Hunde und die Dorfbewohner zu nahekamen, versteckte es sich hinter Felsen. Von unserem Standort aus hatten wir das gesamte Spektakel sehr gut im Blick. Der „Esel-Tiger“ – so heißt die Streifenhyäne in die Landessprache übersetzt – zog unsere Aufmerksamkeit von dem Moment auf sich, als er uns aus der Nähe ansah, bis das Tier letztlich hinter einem breiten Gebirgsrücken in der Graslandschaft verschwand. Welch ein schönes Tier, das allzu oft missverstanden und aufgrund der sich drastisch verändernden Landschaft in Mitleidenschaft gezogen wird.

Striped Hyena Pune-SharpenAI-SoftnessStriped Hyena Grasslands SharpenAI-Softness

ZUM ABSCHLUSS EIN MAGISCHER NACHTSPAZIERGANG

Wir ließen den Tag mit einem kurzen Nachtspaziergang ausklingen. Wir begegneten Füchsen, Geckos und Schlangen und einem weiteren Bewohner der hiesigen Graslandschaft, der zu den Small Five Indiens zählt. Wir sahen den weniger bekannten Indischen Leoparden, den Westindischen Leopardgecko, um genau zu sein. Eine wunderschön gemusterte große Eidechse mit einem dicken Schwanz, die auf einem mit Flechten bewachsenen Felsen saß.

Um Mitternacht erreichten wir das Zuhause von Vedant in Pune. Wir waren vollkommen erschöpft nach einem so langen Tag intensiver Entdeckungen.

Auf unserer Entdeckungsreise erlangten wir ein tieferes Verständnis für dieses vergessene Tierreich, erkundeten einen neuen Lebensraum und machten eine Fülle brillanter Begegnungen mit der einheimischen Flora und Fauna.
Eublipharus fuscus
!!! Vedant Portrait

ÜBER DEN AUTOR:

VEDANT THITE


Als facettenreicher Naturforscher führt Vedant ein naturverbundenes Leben. Durch seine Leidenschaft konnte er unendlich vielen Menschen die Schönheit der Wildnis Indiens näherbringen. Er blickt auf eine 14-jährige Karriere in Naturschutz, Forschung und verantwortungsvollem Tourismus zurück und hat an mehreren Studien über Biodiversität und Tierverhalten mitgewirkt. Nach sieben Jahren als leitender Naturforscher bei SUJAN JAWAI bietet Vedant nun maßgeschneiderte und luxuriöse Exkursionen als Guide für Reiseunternehmen, Gruppen und Einzelpersonen an, die die reiche Flora und Fauna Indiens hautnah erleben möchten.

!!! Surya Ramachandran Portrait

ÜBER DEN AUTOR:

SURYA RAMACHANDRAN


Surya Ramachandran ist ein Ingenieur aus der südindischen Stadt Chennai, der seiner Leidenschaft in die Wildnis folgte. Als Praktikant begab er sich auf eine Dschungelreise, die in den Wäldern des Satpura-Nationalparks bei Forsyth Lodge begann. Wenig später machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Derzeit organisiert er Beobachtungstouren zu abgelegenen Orten, baut Lodges und plant Erlebnisse in Ladakh im Transhimalaya, wobei der Schwerpunkt auf Schneeleoparden und anderen kleineren Arten liegt.

Foto: Vedant Thite
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FirefoxSurya Ramachandran THE LAND OF THE FIREFOX Lesezeit: 5 min.