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KRAFTAKT IN WENIGEN SEKUNDEN

GUANAKOJAGD

Lesezeit: 3 min.

Sarmiento ist heute ohne ihren Nachwuchs unterwegs. Wir hoffen, dass sie in Jagdlaune ist, denn ohne die Jungen sind ihre Erfolgschancen deutlich größer. Die kleinen Katzen sind oft unvorsichtig, sodass die Beutetiere gewarnt werden. Am Nachmittag hält die Pumadame tatsächlich Ausschau nach Beute. In einem Kilometer Entfernung grast eine große Herde Guanakos mit etwa 30 Tieren.

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Sie haben die Jägerin, die sich gut versteckt hält, noch nicht entdeckt. Nachdem sie, ganz nach Katzenart, den Rücken einmal kräftig durchgestreckt hat, läuft sie in Richtung der Herde los, immer im Schutz der dichten Vegetation oder hinter Felsblöcken versteckt. Nur einmal ist sie unvorsichtig, überbrückt ein Stück offenes Gelände nicht schnell genug – die Guanakos reagieren sofort, laute Warnrufe alarmieren alle Tiere in der Umgebung. Erster Jagdversuch gescheitert! Wieder heißt es warten, bis Beute in Sicht kommt.

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Glücklicherweise dauert es nicht lange und am gegenüberliegenden Hügel erscheint eine andere Guanakoherde. Sofort duckt sich Sarmiento weg und pirscht sich, jede Deckung ausnutzend, an die Tiere heran. Doch erneut wird sie entdeckt. Jetzt verstehe ich, warum durchschnittlich nur jeder fünfte Jagdversuch erfolgreich ist. Die Herde hat das Weite gesucht, nur ein großer Hengst ist als Wachposten zurückgeblieben.

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Er steht inmitten eines kleinen Plateaus, von wo aus er alles überblicken kann. So hat Sarmiento keine Chance, sich unbemerkt zu nähern. Trotzdem versteckt sie sich hinter einem Busch und wartet geduldig. Nach einer Stunde scheint der Hengst die Bedrohung tatsächlich vergessen zu haben, denn er macht einen folgenschweren Fehler. Um zu grasen, verlässt er seinen Aussichtsposten. Sofort erkennt Sarmiento ihre Chance, macht einen Bogen um die Freifläche und beginnt, sich von hinten an das Guanako heranzuschleichen. Wir beobachten die Situation gespannt.

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Ich beziehe eine Position etwa 50 Meter vor dem Guanako und verteile meine beiden Fährtenleser so, dass sie den Puma gut im Blick haben und mich dirigieren können, falls ich ihn aus den Augen verliere. Das Guanako ist ahnungslos und läuft immer weiter in meine Richtung, frisst, schaut mich an, frisst ... Ständig muss ich rückwärts laufen, um einen für mein Teleobjektiv geeigneten Abstand einhalten zu können. So geht es fast eine halbe Stunde, etwa 500 Meter weit.

Dann kommt plötzlich der Funkspruch von Roberto: „Ten meters“ – gleich wird der Puma angreifen! Ich kann ihn nicht sehen, er muss direkt hinter dem Guanako lauern, das auf einer kleinen Anhöhe steht. Den Blick durch den Sucher der Kamera gerichtet, konzentriere ich mich auf das Guanako und fokussiere auf den Hals des Tieres, wohin der Puma hinspringen muss um es niederzuringen. Plötzlich und wie aus dem Nichts fliegt Sarmiento von hinten heran. Das erfahrene Guanako reagiert schnell und dreht sich zur Seite.

Dadurch verliert der Puma das mächtige Tier aus dem Griff. Doch sofort setzt er nach, springt dem Guanako auf den Rücken und beißt sich mit seinen langen Reißzähnen am Hals fest. Für Sekundenbruchteile hängt der Puma am Guanako, windet sich und versucht es umzuwerfen. Doch dann zieht der Hengst seinen letzten Trumpf und lässt sich mit seinem ganzen Gewicht auf den Puma fallen. Sarmiento wird voll getroffen, das Guanako kann sich lösen und sprintet davon. Das Ganze dauert nur vier Sekunden. Ich kann nicht glauben, was da gerade direkt vor meiner Kamera abgelaufen ist. Zurück bei meinen Fährtenlesern sehen wir uns die Bilder auf dem Kameradisplay an und fallen uns vor Freude in die Arme.

Copyright Bilder: Ingo Arndt & Mauritius

Pumas in Torres del Paine National Park: Pumas are distributed in six different subspecies throughout North and South America. In the past, they populated the Americas almost without a gap, but their population has now declined sharply.  German photographer Ingo Arndt has been following them in Chile for many years.

Über den Autor

Ingo Arndt


Ingo Arndt wurde in Frankfurt am Main, Deutschland, geboren. Von frühester Kindheit an verbrachte er jede Minute seiner Freizeit in der Natur. Bald erkannte er, dass die Fotografie ein hilfreiches Instrument im Umweltschutz ist, und so begann Ingo nach seinem Schulabschluss 1992 das abenteuerliche Leben eines professionellen Fotografen. Seitdem reist er als freiberuflicher Wildlife-Fotograf um den Globus und fotografiert Reportagen, in denen er Tiere und ihre Lebensräume porträtiert. In den letzten Jahren war er vor allem im Auftrag von GEO und dem National Geographic Magazine unterwegs. Mit seinen Bildern möchte Ingo bei den Menschen das Bewusstsein für die bemerkenswerte Schönheit der Natur wecken bzw. schärfen.

Seine Abenteuer mit den Pumas im Torres del Paine Nationalpark wurden auch im Buch PumaLand (2019) veröffentlicht.